Mein Tag als „Boss" der Branddirektion Frankfurt

Jeder kennt sie, die Fahrzeuge der Feuerwehr Frankfurt, sie eilen jeden Tag durch die Straßen mit dem Auftrag Menschen zu helfen. Aber auch diese Fahrzeuge und Menschen müssen doch jemanden haben, der ihr Boss ist. Den haben sie auch Prof. Dipl.-Ing. Reinhard Ries der Amtsleiter des Amtes 37, und diesen durfte ich einen Tag lang begleiten.

Fast so früh wie für die Beamten im Einsatzdienst um 7.30 begann mein „Dienst". Mein erster Ansprechpartner war Herr Dipl.-Ing. von der Fort der Abteilungsleiter 37.G 3 Einsatz. Er steht über den mehr als 1500 Floriansjüngern egal ob bei der Berufsfeuerwehr oder ehrenamtlich in der Freiwilligen Feuerwehr.

Herr von der Forst erläuterte mir den Aufbau und die Organisation der Feuerwehr und des Rettungsdienstes in Frankfurt, denn auch die Rettungswagen werden in Teilen von der Feuerwehr Frankfurt gestellt. Nachdem mir die Grundsätze klar waren gab es eine kleine Führung durch das Brandschutz-, Katastrophenschutz- und Rettungsdienstzentrum (BKRZ) in Eckenheim. Dort findet man die gesamte Verwaltung der Feuerwehr sowie die Amtsleitung.

Während der Führung durch die Fahrzeughalle geht dann ein Blinklicht an, der Drucker beginnt seine Arbeit, und 1 Etage höher hört man die Schuhe rennen. Ein Einsatz für die Kräfte der Wache 1. Die Fahrzeuge werden besetzt, die Tore gehen auf und die Fahrzeuge rücken aus. Keine 60 Sekunden später hört man nur noch die Hörner der Fahrzeuge zwei Straßenecken weiter.

Aber wie konnten diese Einheiten alarmiert werden?
Dies war die Arbeit der Leitstelle, die ebenfalls im BKRZ untergebracht ist. Dort gehen alle Anrufe der 112 aus Frankfurt ein. Die Beamten entscheiden dann dank guter Ausbildung, welche Kräfte für diesen Einsatz benötigt werden und setzten die Maschinerie in Bewegung.

Neben der Leitstelle befindet sich der Raum für Stabsarbeit, hier fand um 10 Uhr die kleine Lage statt. Die Personen, die an diesem Tag in Führungspositionen der Feuerwehr für die Sicherheit der Frankfurter Bürger verantwortlich sind, treffen sich und besprechen die Vorkommnisse der letzten Nacht sowie die Termine des Tages. Während des Aktionstages am 04.06.2009 lief in Frankfurt das Turnfest (IDTF). Die erhöhten Einsatzzahlen für den Rettungsdienst waren Hauptthema der Lage und wie man mit den mehr als zusätzlichen 500 Einsätzen umgehen sollte. Natürlich war zu keinem Zeitpunkt die Sicherheit der Bürger Frankfurts gefährdet, denn in der ganzen Stadt waren Sanitätsstationen aufgebaut, die sich um die Betroffen des Sportfestes kümmerten.

Nach der kleinen Lage lernte ich dann endlich Herrn Ries persönlich kennen. Besonders zu erwähnen ist der sehr persönliche Umgang der Mitarbeiter untereinander, jeder begrüßte sich mit Handschlag und das unabhängig vom Dienstgrad oder Position.

Nach einer kleinen Vorstellung ging es in das Büro von Herrn Ries. Im Vorbeigehen lernte ich dann auch seine Vorzimmerdame Frau Paux (Name geändert) kennen. Im ersten Gespräch erfuhr ich dann, dass der Job als Amtsleiter eigentlich nicht mehr viel mit der Arbeit als Feuerwehrmann zu tun hat. Eher ist es der Job als Manager eines großen Unternehmens. So konnte ich lernen wie weit die die Arbeiten verknüpft sind, sei es in die Politik oder zu anderen Feuerwehren. Nach ca. einer dreiviertel Stunde hatte ich dann auch begriffen, welch wichtige Arbeit Frau Paux als Sekretärin leistet. Offensichtlich konnte sie sich alle Termine der nächsten Woche merken und wusste, wo sie jeden Gesprächspartner für Herrn Ries erreicht. So konnte ich meine Einstellung zum Berufsbild der Sekretärin völlig verändern. Nach zwei Außenterminen in zwei Wachen, die im Moment neu gebaut werden, eine für die Freiwillige Feuerwehr und eine für die Berufsfeuerwehr, ging es dann an die Abgesetzte Führungsstelle (AFüSt) am Mainufer.

Die beste Chance mit seinem Boss ins Gespräch zu kommen ist eine Autofahrt. So erfuhr ich noch einiges zur Arbeit als Amtsleiter, denn dieser Job ist auch immer direkt mit Politikern verbunden. Die Oberbürgermeisterin Petra Roth ist die Vorgesetzte des Branddirektors in Frankfurt. Wichtiger waren die Informationen, die er mir geben konnte in Bezug auf die Arbeit als Manager. Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Methoden die Arbeit zu erfüllen. Entweder man ist Einzelkämpfer und macht alles alleine, vertraut keinem und hat nie eine freie Minute oder aber man arbeitet wie in der Branddirektion Frankfurt. Das Stichwort hier ist Arbeitsteilung und Vertrauen. Herr Ries sagte, die Grundlage einer guten Arbeit wären die guten Mitarbeiter und diese hätte er in der Feuerwehr Frankfurt, denn ein Unternehmen ist nur so gut wie seinen Mitarbeiter. So muss man sich auf seine Leute verlassen können, um wirklich gut zu arbeiten. Beispielhaft für diese Einstellung ist seine Aussage "Ein guter Manger liest unterwegs ein gutes Bucht und keine E-Mails, denn er weiß, seine Leute können auch ohne ihn arbeiten!".
In der AFüSt Mainufer gab es eine weitere Besprechung. Danach ging es zurück ins BKRZ in die Feuerwehrstraße 1. Dort endete dann gegen 18.30 Uhr mein Tag als Boss.

Nach diesem Tag konnte ich vor allem eines lernen, um eine gute Führungsarbeit in einer Stellung wie der von Herrn Ries zu leisten sollte man Jura, BWL oder eine Naturwissenschaft studiert haben und man sucht sich ein gutes Team und arbeitet mit den persönlichen Stärken aller Mitarbeiter gemeinsam.

Denn Kommunikation ist nicht nur wichtig im Einsatz, nein es ist auch die Grundlage für jede erfolgreiche Arbeit in einem Unternehmen. Nun bleibt mir nur noch Danke zu sagen an die Branddirektion der Stadt Frankfurt besonders an Herrn Ries, Herrn von der Forst und Frau Paux. Natürlich auch den Wirtschaftsjunioren die diesen Tag überhaupt ermöglicht haben.

Frederic Heindel